Unser Garten ist die letzten Jahre (aus Nachbars Erzählungen schätze ich etwa 15) etwas vernachlässigt worden. Das hört sich wild an und der Garten ist tatsächlich sehr wild geworden.
Aber genau das macht den Garten so spannend. Viele Pflanzen haben sich ausgebreitet und auch verschiedenste Krabbler, Hüpfer und Flieger haben sich angesiedelt. Zwischendurch findet man die Arbeit vorhergehender Gärtner. Etwa etliche Beerensträucher oder Tulpen und Pfingstrosen. Den Großteil jedoch machen wohl Brennnesseln aus. “Unkraut” werden wohl die Meisten sagen. Für den einen oder anderen Gärtner taugen sie noch zur Brennnesseljauche.

Für mich bedeuten diese Brennnesseln etwas mehr. Sie zeigen einen stickstoffreichen Boden an, ganz ohne Laboruntersuchung.
Sie sind wichtige Futterpflanzen für Schmetterlinge und das für gar nicht wenige! Tagpfauenaugen, Landkärtchen, Admiral und kleiner Fuchs um nur wenige zu nennen. Und diese fressen nur Brennesseln und sind auch auf deren bestimmte Standorte angewiesen. So sagen mir die Raupen, dass es an dieser Stelle im Garten sonnig und feucht ist. Und da sich die Raupen an den Brennnesseln den Bauch vollschlagen, spare ich mir die Mühe zu mähen. Und nicht zu vergessen Brennnesselspinat zur Abwechselung auf dem Teller.

Brennnesseln sieht man sehr früh an, dass es mal Brennnesseln werden. Mir als Gartenanfängerin ging es mit der Nachtviole anders. Sie sah nach “Unkraut” aus, schoß an etlichen Stellen aus dem Boden und mein erster Impuls war, sie rauszurupfen, denn sie drohten die Pfingstrosen zu erdrücken. Aber ich riss mich zusammen. Vor mir hatten sich die Gärtner einiges überlegt und meine Neugier, ob da doch etwas so Schönes wie die vielen bunten Krokusse wachsen würde, siegte.
Was daraus erwuchs seht Ihr auf dem Foto und das kann den wunderbaren Duft, der Abends aufstieg, leider nicht einfangen! Und auch Nachtviolen sind Raupenfutterpflanzen und eine duftige Bereicherung für die Insektenweide.

Mein Anspruch ist, den Garten weiterhin als bunten Lebensraum für Pflanzen, Tiere, Pilze und Insekten zu erhalten. Es hat mich erschüttert zu lesen (GEO 03/2017), dass es Orte wie einen Kirschbaum in voller Blüte ohne ohrenbetäubendes Summen gibt!
Unser Garten wird hoffentlich noch sehr lange mit Brummen und Summen in der Luft erfüllt sein!

Nicht nur viele Insekten wohnen bei uns, der Garten beherbergt auch verschiedene Mäuse, Kröten und Frösche. Das Haus als Lebensraum teilen wir mit einer Blaumeisenfamilie, einem Spatzen- Clan, einem Starenpaar und einem Turmfalken. In der Scheune kann man Marder, diese “Untiere”, die Autokabel anknabbern, und Siebenschläfer finden.
Ja, an einigen von diesen Mitbewohnern könnte man sich stören, jedoch bin ich der Ansicht, dass es besser ist, sich zu arrangieren und einen vernünftigen Umgang miteinander zu finden. Schließlich ist der Mensch ein Teil der Natur und nicht über sie erhaben.
Für mich ist es wichtig, nicht einfach alles, das mich stört, rauszureißen, zu erschlagen oder mit der Chemiekeule zu bekämpfen, denn meist erwischt es dabei auch Unschuldige oder die Natur versucht das entstandene Ungleichgewicht mit mehr Energie und Engagement auszugleichen als vorher.
Der Marder findet genug Nahrung im Garten und lässt unser Auto in Ruhe. Die Vögel halten die Insekten in Schach und die Insekten und Schnecken kümmern sich um Pflanzen und tote Tiere.
Rufen wir uns wieder ins Gedächtnis, dass Kranke, Schwache, Unangepasste und ein Zu-Viel-Von von der Natur schon seit Urzeiten aussortiert wurden. Und dass Tiere und Pflanzen ihren Aufgaben nachkommen, ist nicht verwerflich.

Daher wünsche ich mir, dass der Mensch nicht so schnell mit dem Urteil “Unkraut” oder “Untier” bei der Hand ist, sondern bevor er handelt einen Schritt zurück tritt und etwas entspannt. Denn vielleicht fällt ihm dann ein weniger invasiver Weg ein als “töten”.

Für alle, die mehr für Schmetterlinge und andere Insekten tun möchten, kann ich diese Liste mit Raupenfutterpflanzen empfehlen und des weiteren zu ein bisschen Unordnung im Garten aufrufen.