Ernte

Das Land, das uns eine reiche Olivenernte bescheren sollte, erreicht man über eine dreißig Minuten lange und nervenaufreibende Serpentinenfahrt mit Gehupe an jeder Kurve. Uns erwarteten rund 30 Olivenbäume und wir hatten eine Woche Zeit für das ganze Prozedere von der Ernte bis zu den fertig abgefüllten Ölkanistern, bevor es auf die Rückreise nach Deutschland gehen sollte. Zum Glück hatten wir zwei Profis, Folco und Flavio, als Unterstützung, die gleich mit Traktor und Vollausstattung an Netzen und Rüttelgeräten angerückt sind. Zwar begann die Arbeit mit italienischer Gemütlichkeit erst um 10 Uhr morgens, aber als der persönliche Ehrgeiz die beiden Italiener gepackt hatte, musste jede letzte Olive vom Baum geschüttelt werden, auch wenn es schon dunkler Abend war. Zur Ernte der Oliven legten wir den Boden mit Netzen aus woraufhin die Oliven von den Bäumen geschüttelt werden konnten. Dafür wurden mit einem Generator und Kompressor, zwei spezielle Geräte angetrieben, die mit einer ständig schnappenden Klammer an der Spitze eines Teleskopstabes an den Zweigen rüttelten.

Interessanter Fakt zur Farbe der Oliven:
Je nachdem zu welchem Zeitpunkt man erntet, unterscheidet sich das Verhältnis von grünen zu blauen Oliven, was großen Einfluss auf die Qualität des Öls hat. Ist der Anteil an grünen, also jüngeren Oliven größer, dann ist das Öl länger haltbar (ca. 2-3 Jahre) und enthält mehr Vitamine. Wenn der Anteil an blauen, also sehr reifen Oliven, höher ist, dann erhält man mehr Öl aus der gleichen Menge an Oliven, aber es ist nicht mehr so lange haltbar (ca. 6 Monate). Natürlich verändert sich auch der Geschmack des Öls durch das Verhältnis, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.

Mühle

Nach drei Tagen Ernte hatten wir 30 Kisten voll mit Oliven, die wir zu einer kleinen familienbetriebenen Ölmühle in Rocetta brachten. Die Pressung unserer Oliven dauerte einen Nachmittag und am Abend konnten wir 156 Liter bestes Olio extra vergine di Oliva verladen.
Interessanter Fakt zur kalten Olivenölpressung:
Diese Mühle wurde uns empfohlen, da hier der Prozess der kalten Pressung langsamer stattfindet, als in der großen Mühle von Dolceaqua und somit die Qualität des Öls besser sei.

Abfüllung und Etikettierung

Der nächste Tag beschäftigte uns mit der Abfüllung des Olivenöls in 5-Liter Kanister und Flaschen zum Transport nach Hause und zur Verteilung unter Familie und Freunden.
Interessanter Fakt zu frisch abgefülltem Olivenöl: Frisch abgefülltes Olivenöl hat eine trübe goldgelbe Farbe. Die Trübheit, ählich wie bei naturtrübem Apfelsaft, legt sich nach ein paar Monaten und das Öl wird transparenter. Daran kann man die Frische des Olivenöls erkennen. Aber Achtung, es kann Mogelpackungen geben. Wenn man im Oktober trübes Öl gerreicht bekommt, dann kann es sich nicht um frisches Olivenöl handeln, sondern enthält wahrscheinlich Zusatzstoffe, um es so aussehen zu lassen. Die Olivenernte beginnt in der Regel erst im November und kann bis in den Januar gehen. Die Oliven brauchen die Kälte, um zu reifen und ihre blaue Farbe zu erhalten.

Preis und Qualität

Am Ende waren wir auf dem Heimweg und glücklich über die gut verlaufene Olivenöl-Aktion. Wir sinnierten noch über den Sinn und Unsinn der eigenen kleinen Olivenproduktion und die Frage, ob sich das alles auch rechnet.
Wenn man den ganze Aufwand summieren möchte, müsste man bei der Pflege der Bäume über das ganze Jahr hinweg beginnen. Dazu gehört das Schneiden, Düngen und Rasen mähen. Dann kommt die Fahrt hinzu und die Arbeitszeit von vier Personen während der drei Tage Ernte. Darauf folgt die Pressung in der Ölmühle, die mit ca. 1,- Euro pro Liter zu Buche geschlagen hat. Schließlich braucht man noch Kanister und Flaschen für die Abfüllung, sowie Etiketten.
Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir das Olivenöl für 50,- Euro pro Liter verkaufen müssten, damit sich der ganze Aufwand rechnet. Man wäre definitiv günstiger dran, wenn man es einfach beim nächsten Bauern aus Dolceaqua kaufen würde. Auf dem dortigen Markt wird ein vergleichbares Öl zum Teil für 10,- Euro pro Liter gehandelt. Diese Preise sind wahrscheinlich nur möglich, weil sich alle gegenseitig und unentgeltlich helfen und bedingt durch die große Konkurrenz in dieser Region.

Interessanter Fakt zu billigem Olivenöl:
Wenn man in einen deutschen Supermarkt geht und Olivenöl für 5,- Euro pro Liter sieht, dann kann man nur noch den Kopf schütteln. Das kann nur möglich sein, indem minderwertiges Öl genommen wird. Das wird durch eine zweite Pressung der Olivenmasse unter Hitze gewonnen. Das riecht und sieht man in der Umgebung der Ölmühle, von der starker Rauch aufsteigt. Wer Wert auf gutes Olivenöl sorgt und nicht in Italien einkaufen kann, der sollte nach einem anständigen Preis schauen und bei einer Quelle seines Vertrauens einkaufen, wie zum Beispiel einem italienischen Feinkost-Händler.

Bestellmöglichkeit

Wer jetzt Lust bekommen hat, das Olivenöl aus den Hügeln um Dolceaqua zu probieren, der kann sich gerne zu unserem Newsletter anmelden. Über diesen Weg informieren wir, sobald wir wissen, wie die Ernte ausgefallen ist und wann wir das Olivenöl bestellen können.